Ausgabe 7

Drum Shots: Manu Katché plays

Drum Shots: Manu Katché plays

Ein Schlagzeug kennt man als das rhythmusgebende Instrument einer Formation. Manu Katché hat es befreit: sein unverkennbarer Drumsound lässt mehr entstehen, fügt allen Stücken eine farbenreich groovende Note hinzu.

Den Musiker mit Eltern aus Côte d’Ivoire und Frankreich kennt man in Deutschland durch seine erfolgreiche Musikserie »One Shot Not« auf Arte (bis Anfang 2012). In Frankreich ist er auch einem größeren Publikum als kritischer Juror der Casting-Show »Nouvelle Star« bekannt.

Musik ist im wohl völlig ins Blut übergegangen. Seine Gedanken über Musik bewegen sich, sind ständig im Fluss, lassen unglaubliche Neugier erkennen. Anders lässt sich seine extreme Offenheit, was die unterschiedlichen Musikstile und -Interpretationen betrifft, nicht erklären. In »One Shot Not« lud er die verschiedensten Musiker in die Show ein. Sie stellten live einige aktuelle Stücke, um kurz darauf mit allen eingeladenen Musikern in Jam-Sessions live zusammenzuspielen. Straßenmusiker spielten zusammen mit Weltstars, afrikanische Rhythmen erklangen zu Songwritern, Jazz mischte sich mit Pop und Rock, hippe Newco- mer trafen auf alte Hasen – es war ein farbenfrohes Fest der Musik, wie es zuvor noch nie im TV zu sehen war!

Der Musiker

Vielleicht liegt es an seiner klassischen Klavierausbildung, die er bereits mit sieben Jahren begann, vielleicht an seiner unglaublich großen Erfahrung in der Pop- und Rockmusik, wo er mit allen Größen zusammengespielt hat: In den Augen vieler Kritiker hat Manu Katché das Schlagzeugspiel revoluti- oniert. Er »spielt Klavier auf seinem Drumset«, sein vorwärtstreibender Groove swingt gelöst und entspannt auf den Alben von Peter Gabriel, Sting, Dire Straits oder Joni Mitchell. Er bildet das zwanglose Fundament für zeitgenössischen Jazzgrößen wie Jan Garbarek, auf dem sich Solisten besonders gut hervorheben können.

Auf seiner vierten Jazz-Platte mit Eigenkompositionen, eingespielt für das legendäre Label ECM, ist es genau dieser Drumsound, der den strukturierten Stücken den Halt gibt. Als Entwarnung sei gesagt, dass man hier nicht die Stücke des Schlagzeugers, sondern die des Pianisten und Komponisten Manu Katché findet – eine seltene und äußerst hörenswerte Kombination.

Die aktuelle CD »MANU KATCHÉ« von Manu Katché ist bei ECM unter der Nummer 2284 erschienenSchon während er die Songs schreibt, hat er den Sound seiner zukünftigen Mitspieler im Ohr. Daher ist es Idee und Prinzip, dass er jedes Abum in unterschiedlicher Besetzung veröffentlicht. So »kannst du Einflüsse von anderen Musikern bekommen, die du niemals erwartet hättest.« Er überlässt in seinen Stücken nichts dem Zufall, verlässt sich auf ein sorgfältiges Arrangement von Schlagzeug (MK) und Hammond-Orgel, manchmal Klavier (Jim Watson). Als Melodiestimme fungiert das Saxophon (Tore Brunborg), aber was diese Platte »zum Glühen bringt« und ihr zudem den nötigen Funken Modernität mitgibt, ist der unvergleichliche Sound der Trompete von Nils Peter Molvaer.

In ihrer Qualität ist sie ein typisches ECM-Produkt auf gewohnt hohem Niveau. Nur schade, dass wir Manu Katché nicht öfter im Fernsehen bewundern können.